Hämorriden – Behandlung, Symptome, Hausmittel

Enddarmerkrankungen wie vergrößerte Hämorriden gelten als Zivilisationskrankheit. Was ist damit gemeint?

Unter Zivilisationskrankheiten versteht man Erkrankungen, die sich in Industrieländern entwickelt haben und in einem engen Zusammenhang mit den Lebensgewohnheiten stehen. Auslösende Faktoren können bei Hämorriden ungesunde Ernährungsgewohnheiten, sitzende Tätigkeit verbunden mit Bewegungsmangel, aber auch ein Unterdrücken des natürlichen Stuhldranges z. B. aus Zeitgründen sein. All diese Faktoren lösen Verstopfung aus, eine der Hauptursachen der Entstehung eines Hämorridalleidens.

Viele Menschen denken gleich an Darmkrebs, wenn sie Blut im Stuhl feststellen. Wie kann man Enddarmerkrankungen unterscheiden?

Handelt es sich um hellrotes Blut, welches auf dem Stuhl aufliegt oder sich am Toilettenpapier zeigt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um eine Blutung in Folge eines Hämorridalleidens handelt. Jedoch sollte jedem Patienten geraten werden, einen Arzt aufzusuchen, da nur er durch die notwendigen Untersuchungen eine genaue Diagnose stellen und bösartige Erkrankungen ausschließen kann.

Vergrößerte Hämorriden entwickeln sich langsam. Wann sollten Betroffene aktiv werden?

Patienten sollten beim ersten Auftreten der Symptome aktiv werden. Durch eine regelmäßige Behandlung mit Salben und/oder Zäpfchen kann ein Fortschreiten vermieden oder wenigstens verlangsamt werden. Wesentlich ist, dass diese Medikamente nicht nur in der akuten Phase des Hämorridalleidens angewendet werden, sondern auch vorbeugend in der nicht-akuten Phase, in der sich kaum Symptome wie Brennen, Jucken oder Blutungen zeigen. Zusätzlich ist es ratsam, seine Lebensgewohnheiten anzupassen und auf eine dauerhafte gesunde Ernährung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausreichend Bewegung zu achten.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Apotheke gemacht: Warten die meisten Patienten mit Hämorridenleiden zu lange, bevor sie sich fachkundigen Rat holen?

Leider verstreicht bei den meisten Patienten viel Zeit zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Aufsuchen der Apotheke oder eines Arztes. Meist geschieht dieses aus falscher Scham, da es sich um einen sehr intimen Bereich handelt. Häufig wird erst dann Rat gesucht, wenn der Leidensdruck groß ist. Dies ist fatal, da ein Fortschreiten der Erkrankung nur dann verlangsamt oder verhindert werden kann, wenn früh genug behandelt wird.

Hämorridalleiden verlaufen in mehreren Stadien. In den beiden ersten soll die Behandlung noch einfach sein – wie geht man hier vor?

Hämorridalleiden im ersten Stadium äußern sich in Form von hellroten Blutungen und Juckreiz, im zweiten Stadium werden diese Symptome ergänzt durch Brennen, Nässen und gelegentliche Schleimabsonderungen sowie Stuhlnachschmieren. Diese Beschwerden treten nicht permanent auf, der Patient erlebt auch symptomfreie Intervalle. Aus diesem Grund sollte die Therapie beide Phasen mit einbeziehen. Juckreiz und Brennen lassen sich am besten mit schnell lokal wirkenden Betäubungsmitteln behandeln. In der nicht akuten Phase eignet sich ein Präparat, das die Analregion pflegt, die Elastizität der Haut erhöht sowie den empfindlichen Bereich vor Reizungen schützt und dem Wiederauftreten akuter Analerkrankungen vorbeugen kann.

Wie muss man sich Hämorriden im dritten Stadium vorstellen und welche Behandlungsmaßnahmen sind hier nötig?

Im dritten Stadium treten die Hämorridalpolster während des Stuhlgangs aus dem After hervor, können sich aber im Gegensatz zum zweiten Stadium nicht mehr von selbst in den Analkanal zurückziehen. Mit dem Finger können sie aber zurückgeschoben werden. In diesem Stadium wird häufig eine sogenannte Gummibandligatur angewandt, bei der die Basis des Hämorridengewebes abgeschnürt wird. Dieses Gewebe stirbt daraufhin ab und fällt nach 10 bis 20 Tagen ab.

Wann müssen Hämorriden operiert werden?

Eine Operation ist im vierten Stadium erforderlich. Nämlich dann, wenn die Hämorriden soweit vergrößert sind, dass sie nicht mehr in den Analkanal zurückgeschoben werden können und dauerhaft vor dem Afterrand liegen. Neben Nässen, Juckreiz und Schmerzen tritt oft eine sogenannte Stuhlinkontinenz auf, bei der der Stuhl nicht mehr gehalten werden kann.

Was kann man tun, damit sich die Hämorriden nach einer erfolgreichen Behandlung, Verödung oder Operation nicht erneut vergrößern?

Ein erneutes Auftreten vergrößerter Hämorriden lässt sich nicht in allen Fällen verhindern, jedoch sollte man jedem Patienten empfehlen, seine Lebensgewohnheiten zu ändern, sich dementsprechend ausgewogener und ballaststoffreicher zu ernähren, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sich mehr zu bewegen und die empfohlenen Hämorridenpräparate regelmäßig anzuwenden.

Welche Rolle spielt eine regelmäßige Verdauung?

Eine regelmäßige Verdauung ist sehr wichtig. Es sollte immer auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung geachtet werden, um Verstopfung zu vermeiden. Diese ist eine der Hauptursachen für die Vergrößerung von Hämorriden, da viel mehr Druck notwendig ist, um den Darm zu entleeren. Hierdurch fließt mehr Blut in die Hämorriden, die Gefäßpolster werden größer. Wenn der Darm nun entleert wird, kann es zu Blutungen kommen. Zusätzlich werden durch den erhöhten Druck beim Pressen die Hämorriden stärker nach außen gepresst, der Patient nimmt dies oft als Fremdkörpergefühl wahr oder hat den Eindruck einer unvollständigen Entleerung.

Wie sollte eine gesunde und schonende Analhygiene aussehen?

Zu starkes Reiben mit Toilettenpapier, aber auch feuchtes Toilettenpapier, das Duftstoffe enthält, reizen die empfindliche Haut zusätzlich und sollten daher vermieden werden. Idealerweise sollte der Analbereich nach jedem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser gereinigt und anschließend trocken getupft werden. Am besten verwendet man hierfür extraweiches Toilettenpapier oder Einmalwaschlappen.

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