Haustiere & Co: Homosexualität im Tierreich bleibt Definitionssache

Männliche Delfine pflegen jahrelange Paarbeziehungen untereinander, anders als mit ihren weiblichen Artgenossen. Auch homosexuelle Störche fühlen sich im Nest miteinander bei der Brut offenbar sehr wohl. Diese Aussagen, wie sie durch Internetforen und Zeitungsartikel schwirren, erhitzen immer noch die Expertengemüter und fachen Kontroversen an. Dabei wurden homosexuelle Verhaltensweisen bei vielen Arten nachgewiesen, darunter auch bei zahlreichen Haustieren. Die gleichgeschlechtliche Paarung im Tierreich bleibt jedoch naturgemäß Interpretationssache: Tiere kann man nicht nach ihren Gefühlen befragen.

Der Wiesbadener Tierarzt Wolfgang Altstaedten, bekannt als Dr. Wolf aus der Vox-Sendung „HundKatzeMaus“, sagt etwa: „Homosexualität im Tierreich? Die gibt es nicht.“ Dem gleichgeschlechtlichen Deckungsversuch ähnelnde Verhaltensweisen würde der Mensch die Homosexualität schlicht andichten. Für Tiere gehe es ums Fressen, Schlafen und das Vermehren – und auf letzteres sei die Sexualität primär ausgerichtet.

Michael Miersch, Autor des Buches „Das bizarre Sexualleben der Tiere“, sieht das anders: „Dass Sex nur der Fortpflanzung dient – diese Forschungserkenntnis ist mittlerweile völlig zusammengekracht.“ Dem stimmt auch Petter Böckman zu. Der Zoologe ist für die Zusammenstellung der Schau „Against Nature?“, die u.a. in Oslo zu sehen war. Ihm zufolge gibt es 1500 Arten bei denen „gezeigtes homosexuelles Verhalten“ beobachtet wurde, und die Zahl wachse stetig.

Das Spektrum der Tiere, die in diesem Sinne homosexuell genannt werden können, reicht von Elefanten, Giraffen, Hyänen, Walen und Affen über Reptilien, Insekten, Amphibien, Fischen und Vögeln, bei denen lebenslange Bindungen dokumentiert sind, bis zu Haus- und Nutztieren. Böckman nennt Katzen, Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner, Pferde, Enten und Hunde. Hunde würden, wie der Mensch auch, Sex haben, „weil sie es schlicht wollen“, betont Böckman.

Generell dient die gezeigte Homosexualität oft dem sozialen Zusammenhalt von Rudeltieren, „weil der Sextrieb so stark ist“, weiß Böckman. Sie nützt dem Schmieden von Allianzen und der Klärung von Hierarchien – so könne der Paarungsakt der Unterwerfung von Rivalen dienen. Löwenmännchen praktizieren sexuelle Verhaltensweisen auch, um Führungsfragen zu klären.

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