Das Laissez-Faire-Gefühl in Tel-Aviv

Tel-Aviv

Manchmal wie von einem anderen Stern (Foto: Exothermic für flickr.com)

Für ein verlängertes Wochenende nach Tel-Aviv zu fliegen bedeutet, sehr schnell das Gefühl dafür zu verlieren, was Wochenende eigentlich ist. Das liegt am Shabbat, aber nicht nur an ihm.

Ein eigenartiges Laissez-Faire-Lebensgefühl erfasst einen spätestens im Taxi vom Ben-Guerion-Flughafen (ca. vier Stunden Flugzeit von Frankfurt/Main) auf dem Weg in die Innenstadt ins Hotel Cinema in der Zamenhoff Street 1 (DZ 130 Dollar).

Tel-Aviv gilt als einer der Hot Spots der internationalen Partygänger. Schon am Flughafen stehen Sie mit internationalen DJs in der Warteschlange vor dem Security-Häuschen. Wer Religion und die ganz große Kulturgeschichte erleben möchte, dem seien Jerusalem und Masada empfohlen. In Tel-Aviv sind die Sehenswürdigkeiten an einem Nachmittag erledigt: z.B. die weiße Stadt im Bauhaus-Stil. Den Rothschild-Boulevard lernen Sie beim Shoppen kennen.

Alles, wirklich alles gibt es täglich ab 10 Uhr (außer am Shabbat) auf dem traditionellen Flohmarkt im alten Teil der Stadt, in Jaffa, in der Yefet Street. Den besten Hummus macht Abu Hasan in der romantischen Dolfin Steet (wir empfehlen: M’Sabaha-Hummus).

Das Wochenende ist hier am Shabbat, von Freitagabend bis Samstagabend. Der Freitag ist also der Samstag, die Geschäfte schließen um ca. 14 Uhr. Den Orthodoxen ist es gar untersagt, einen Stromkreis zu schließen: also kein Licht, kein Herd, kein Fernsehen, kein Fahrstuhl darf bedient werden. Doch in Tel-Aviv ist das anders: Die Clubs sind Freitagabend am Vollsten.

Immer ein bisschen laut, ein bisschen ruppig, aber niemals abgeschottet. Man kommt in jeden Laden. Einzige Ausnahme: Er hat zu. Gaza? Nie gehört. Party statt Politik in einer der liberalsten Städte der Welt.

Ab 16 Uhr wird im Mittelmeer gebadet. Eine schöne Beachbar hat der Bograshov-Strand (Bograshov Street).

Für ein Wochenende nach Tel-Aviv? Sicher kein Schnäppchen

Das Gefühl, nicht viel gesehen zu haben, stellt sich am zweiten Tag ein. Gesagt sei aber: Das macht nichts. Tel-Aviv ist nicht Jerusalem. Hier geht es ums Essen, Feiern und Ausspannen. Und ein bisschen Shoppen. Auch wenn Tel-Aviv sicher kein Schnäppchen-Trip ist.

Tel-Aviv hat eine hohe Anziehungskraft für junge Juden und Andersgläubige aus allen Kontinenten, doch die Stadt ist teuer. Fast 350.000 Einwohner wuseln täglich über Plätze und Strandpromenaden. Das Publikum ist Tag und Nacht bunt gemischt. Die Atmosphäre ist sehr offen, da fast jeder Englisch spricht. Tags wird gegründet, gelernt, gearbeitet, nachts geplaudert, getanzt, gebaggert. Doch die Einstiegsgehälter für die vielen jungen Menschen sind niedrig, Jobs befristet und die Unterhaltskosten hoch. Im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal seit Bestehen des Staates Israel soziale Proteste.

Wenn der Abend anbricht, empfiehlt sich ein Besuch bei Nana Shrier und ihrem hippen georgischen Restaurant Nanuchka in der Lilienblum St. 30. Über die 43-Jährige Mutter zweier Kinder ist bereits eine Reality-Doku gedreht worden. Ihr berühmtester Satz daraus: “Having a quite tough daily routine, we have to party even harder.”  Im Laufe des Abends wird es im Nanuchka immer voller, bunter und die Stimmung gelöster. Hier feiern High-Fashion-People neben Familientischen.

In Tel-Aviv ist Kulinaristik sehr wichtig – und ein Geschäftsfaktor. Es gibt eine regelrechte Start-Up-Szene für Restaurantmacher. Derzeit sehr angesagt sind unter anderem:

  • Mizlala, Nahalat Binyamin Street 57
  • Cafe XOHO, Mapu Street 18

Die Clubs und Bars füllen sich langsam ab Mitternacht, gefeiert wird bis zum Morgengrauen. Der Eintritt ist oft gratis, Cocktails kosten zwischen 8 und 20 Euro. Die Musikmischung ist ungewohnt, macht aber Laune. DJ Shlomi Kozaro: “Die meisten DJs spielen fünf Songs einer Musikrichtung, dann fünf einer anderen und immer so weiter.” Immer dabei: Hebrew Music. Nicht viele feiern so hart wie die jungen Israelis in Tel-Aviv. Vielleicht noch die Belgrader Teens und Twens.

Wer es gern ruhiger hat: Die Preise für Kino-, Theater- und Opernkarten sind mit denen in Deutschland vergleichbar, ebenso der Eintritt für die Museen.

Die beste Reisezeit nach Tel-Aviv sind März und April sowie September bis November. Der Sommer ist sehr heiß. Bitte prüfen Sie vor der Reiseplanung den jüdischen Kalender. An hohen religiösen Feiertagen steigen die Preise, und sie halten für Europäer so manche Überraschung bereit (z.B. kein Brot am Passahfest).

Israel-Besucher benötigen immer einen Reisepass, der bei Einreise noch mindestens 6 Monate gültig  ist. Bei der Abreise längere Abfertigungszeiten am Flughafen mit einplanen. (Mehr: So laufen die Sicherheitskontrollen am Flughafen ab)

 

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