Wärme wird seit Jahrhunderten zur Linderung unterschiedlicher Beschwerden eingesetzt. Rotlichtlampen ermöglichen es, diese Wärme gezielt auf bestimmte Körperregionen zu richten. Der folgende Überblick erklärt, wie Infrarotstrahlung wirkt, wann sie sinnvoll sein kann und in welchen Situationen Vorsicht geboten ist.
Im Glaskolben der Rotlichtlampe befindet sich ein Glühfaden, der nicht nur sichtbares rotes Licht, sondern vor allem unsichtbare Infrarotstrahlung abgibt. Diese Infrarotstrahlen treffen auf die Haut und können die oberflächlichen Gewebeschichten erwärmen.
Das sichtbare rote Licht hat dabei keine eigene therapeutische Wirkung. Es dient im Wesentlichen als optisches Signal, dass die Lampe in Betrieb ist – die eigentliche Wirkung geht von der unsichtbaren Infrarotstrahlung aus.
Wirkung von Infrarotlicht auf den Körper
Bei therapeutischen Rotlichtlampen kommt meist Infrarot-A-Strahlung (IR-A) zum Einsatz. Sie hat eine Wellenlänge von etwa 780 bis 1.400 Nanometern und dringt einige Millimeter in die Haut ein. Das Gewebe wird in Schwingung versetzt, die Temperatur steigt, es entsteht sogenannte Tiefenwärme.
Die Wärme bewirkt eine Erweiterung der kleinen Blutgefäße, die Durchblutung kann zunehmen. Daraus leitet sich die Annahme ab, dass sich Schmerzen und Verspannungen lindern lassen und Heilungsprozesse unterstützt werden.
Typische Anwendungsgebiete im Alltag sind unter anderem:
- Muskelverspannungen
- Halsschmerzen
- Nasennebenhöhlenentzündungen
- Bronchitis
- Gelenkschmerzen und -verschleiß
- rheumatische Beschwerden
- Durchblutungsstörungen
- Ohrenschmerzen
- Hämatome
- einige dermatologische Erkrankungen
Für viele dieser Indikationen gibt es allerdings keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege. Gut dokumentiert ist vor allem die Wärmewirkung. Ob eine Besserung durch verbesserte Durchblutung, die subjektiv als wohltuend empfundene Wärme oder Placeboeffekte zustande kommt, ist in vielen Fällen nicht abschließend geklärt.
Neben der lokalen Wirkung werden Rotlicht und andere Wärmereize auch mit allgemeinen Effekten in Verbindung gebracht. Sie sollen unter anderem:
- den Kreislauf anregen
- den Stoffwechsel unterstützen
- den Abtransport von Stoffwechselprodukten fördern
- die Nervenleitgeschwindigkeit beeinflussen
- antioxidative Schutzmechanismen unterstützen
- Teile des Immunsystems stimulieren
Wärme wird von vielen Menschen als entspannend empfunden und kann so Stress und Anspannung reduzieren. Es gibt jedoch auch Personen, die Kälte als angenehmer wahrnehmen. Eine pauschale Empfehlung ist daher nicht möglich – oft hilft nur vorsichtiges Ausprobieren.
Für wen ist Rotlicht nicht geeignet?
Nicht in allen Situationen ist eine Rotlichtanwendung sinnvoll. In manchen Fällen kann Wärme Beschwerden verstärken oder zu Nebenwirkungen führen. Vorsicht ist unter anderem geboten bei:
- akuten Entzündungen
- Fieber
- frischen Thrombosen oder anderen Blutgerinnseln
- schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Zustand nach Herzinfarkt oder Schlaganfall
- ausgeprägtem Diabetes mellitus
- Schilddrüsenüberfunktion
- deutlich eingeschränkter oder fehlender Wärmewahrnehmung
In solchen Fällen sollte vor der Anwendung unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden. Das gilt generell, wenn eine ernsthafte Grunderkrankung vorliegt oder Unsicherheit besteht.
Bei Kindern unter zwei Jahren wird von Rotlicht meist abgeraten, da sie Hitze oder Verschlechterungen der Beschwerden noch nicht zuverlässig mitteilen können. Schwangere und Stillende können Rotlicht in der Regel nutzen, sollten sich aber an die Herstellerangaben halten und die Behandlung bei Unwohlsein sofort abbrechen.
Wichtige Regeln für die Anwendung
Rotlichtlampen sind einfach zu bedienen, trotzdem sind einige Sicherheitsregeln wichtig, um Verbrennungen oder Augenreizungen zu vermeiden:
- Augen schützen
Infrarotstrahlung kann die Augen schädigen – auch bei geschlossenen Lidern. Während der Anwendung sollte eine geeignete Schutzbrille getragen werden, etwa eine UV-Schutzbrille aus Apotheke oder Sanitätshaus. - Abstand einhalten
Empfehlenswert ist ein Abstand von etwa 30 bis 50 Zentimetern zur Lampe. Die exakte Entfernung hängt vom jeweiligen Gerät ab und sollte der Bedienungsanleitung entnommen werden. - Dauer begrenzen
Eine einzelne Bestrahlung sollte in der Regel nicht länger als 10 bis 20 Minuten dauern. Häufige oder besonders lange Anwendungen erhöhen das Risiko für Hautreizungen. - Beschwerden beobachten
Verschlimmern sich Schmerzen, tritt Brennen auf oder fühlen Sie sich unwohl, sollte die Bestrahlung sofort beendet werden. Anhaltende oder neue Beschwerden gehören in ärztliche Abklärung.
Bei guter Verträglichkeit sind ein- bis mehrmalige Anwendungen pro Tag möglich. Wer Rotlicht regelmäßig nutzt, sollte auf eine gute Hautpflege achten und möglichst Produkte verwenden, die auf häufige Wärmeeinwirkung abgestimmt sind.
Die Kombination von Rotlicht mit UV-Bestrahlung, etwa im Solarium, wird nicht empfohlen, da eine zusätzliche Belastung der Haut und ein erhöhtes Hautkrebsrisiko möglich sind.
Mögliche Langzeitfolgen
Bei sachgemäßer Anwendung gelten Rotlichtlampen als sicher. Zur Frage langfristiger Folgen intensiver oder wiederholter Bestrahlung gibt es aber nur begrenzte Daten. Einzelne Untersuchungen deuten darauf hin, dass tief eindringende IR-A-Strahlung einen Abbau von Kollagen fördern und damit die Hautalterung beschleunigen könnte.
Eine seltene, aber beschriebene Nebenwirkung ist die sogenannte Hitzemelanose (Erythema ab igne). Dabei kommt es durch wiederholte Wärmeeinwirkung zu einer rot-bräunlichen Verfärbung der Haut. Diese Veränderungen werden mit einem möglicherweise erhöhten Hautkrebsrisiko in Verbindung gebracht.
Wer Rotlicht häufig nutzt, sollte die Anwendungsdauer auf das Nötigste beschränken und im Zweifel ärztlichen Rat einholen, insbesondere bei bestehenden Hauterkrankungen oder auffälligen Hautveränderungen.
