Ein Hausbau ist mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden. Während der Bauphase kann ein Unwetter den Rohbau beschädigen, ein Besucher auf der Baustelle stürzen oder ein Feuer Teile des Gebäudes zerstören. Auch private Helfer müssen ausreichend abgesichert sein. Vier Versicherungen gehören deshalb zur grundlegenden Absicherung eines Bauvorhabens.
Die Bauwesenversicherung, auch Bauleistungsversicherung genannt, schützt das Bauvorhaben während der Bauzeit vor bestimmten unvorhergesehenen Schäden. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Sturm Teile des Rohbaus beschädigt oder bereits erbrachte Bauleistungen durch ein unerwartetes Ereignis zerstört werden.
Die Versicherung ist vor allem deshalb wichtig, weil während der Bauphase bereits erhebliche Werte auf dem Grundstück liegen, obwohl das Gebäude noch nicht fertiggestellt ist. Welche Schäden tatsächlich übernommen werden, richtet sich nach dem jeweiligen Vertrag. Vorsätzlich verursachte Schäden und bestimmte bereits bekannte Risiken sind in der Regel ausgeschlossen.
Bauherrenhaftpflicht schützt vor Schadenersatzforderungen
Eine Baustelle birgt nicht nur Gefahren für das Gebäude, sondern auch für andere Personen. Stolpert beispielsweise ein Passant über eine unzureichend gesicherte Baustelle oder verletzt sich ein Besucher auf dem Grundstück, kann der Bauherr für die Folgen haften.
Die Bauherrenhaftpflichtversicherung deckt das Haftungsrisiko des Bauherrn für Personen- und Sachschäden gegenüber Dritten. Sie übernimmt berechtigte Schadenersatzforderungen und wehrt unberechtigte Ansprüche ab.
Gerade bei einem längeren Bauvorhaben sollte geprüft werden, ob Umfang und Versicherungssumme zum Projekt passen. Eine bestehende Privathaftpflicht reicht nicht in jedem Fall automatisch für jedes Bauvorhaben aus.
Rohbaufeuerversicherung schützt vor Brand
Bis zum Einzug ist ein Neubau besonders gefährdet: Das Gebäude steht möglicherweise schon, ist aber noch nicht vollständig ausgestattet und gegen Brand geschützt. Eine Rohbaufeuerversicherung übernimmt Schäden am Rohbau, die durch Feuer entstehen.
Der Versicherungsschutz endet grundsätzlich mit der Fertigstellung beziehungsweise dem Bezug des Gebäudes. Häufig lässt sich die Absicherung des Rohbaus mit einer späteren Wohngebäudeversicherung verbinden. Vor dem Abschluss sollte deshalb geprüft werden, ab wann der Feuerschutz gilt und wann der Versicherungsschutz der Wohngebäudeversicherung beginnt.
Ein Brand kann während der Bauphase besonders teuer werden, weil nicht nur Baumaterialien verloren gehen, sondern bereits erbrachte Bauleistungen erneut finanziert werden müssen.
Bauhelfer müssen abgesichert sein
Beim Hausbau helfen häufig Freunde, Verwandte oder Nachbarn mit. Auch für diese Bauhelfer besteht ein Unfallrisiko. Zuständig für den gesetzlichen Unfallschutz auf privaten Baustellen sind die jeweiligen Träger der gesetzlichen Unfallversicherung beziehungsweise die Berufsgenossenschaft.
Bauherren sollten sich deshalb frühzeitig informieren, welche Arbeiten und Helfer gemeldet werden müssen und welche Beiträge anfallen. Auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden kann für die Melde- und Beitragspflichten relevant sein.
Eine private Unfallversicherung ersetzt den gesetzlichen Unfallschutz der Bau-Berufsgenossenschaft nicht automatisch. Beide Bereiche sollten daher getrennt betrachtet werden.
Versicherungen vor dem ersten Spatenstich abschließen
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Die wichtigsten Versicherungen sollten vor Beginn der Bauarbeiten abgeschlossen sein. Wer erst reagiert, wenn der Rohbau steht oder bereits ein Schaden eingetreten ist, riskiert eine Versicherungslücke.
Neben den vier grundlegenden Absicherungen kann für größere Bauvorhaben eine Vertragserfüllungsbürgschaft sinnvoll sein. Sie kann das Risiko reduzieren, dass ein Bauunternehmen seine vertraglich vereinbarten Leistungen nicht vollständig erbringt, etwa wegen finanzieller Schwierigkeiten.
Die Bürgschaft kann vom Bauunternehmen oder Generalunternehmer gestellt werden. Für Bauherren ist sie vor allem dann interessant, wenn bereits hohe Vorauszahlungen oder erhebliche Leistungen erbracht wurden. Welche Sicherheiten tatsächlich vereinbart werden sollten, hängt von Bauvertrag, Zahlungsplan und Umfang des Projekts ab.
Versicherungsschutz an das Bauvorhaben anpassen
Nicht jedes Bauprojekt ist gleich. Ein schlüsselfertiger Neubau mit Generalunternehmer bringt andere Risiken mit sich als ein individuell organisierter Bau mit zahlreichen Einzelunternehmen und Eigenleistungen. Auch die Zahl der privaten Bauhelfer und der Wert der bereits erbrachten Arbeiten können den Versicherungsbedarf beeinflussen.
Deshalb sollten Bauherren nicht nur auf den Namen einer Versicherung achten, sondern insbesondere Versicherungssumme, Laufzeit, Selbstbeteiligung und Ausschlüsse prüfen. Wichtig ist außerdem, den Versicherer über Änderungen am Bauvorhaben zu informieren. So lässt sich vermeiden, dass ausgerechnet in einer kritischen Phase des Hausbaus eine Lücke im Versicherungsschutz entsteht.
