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Große Drüsenameise breitet sich in Deutschland aus

Eine eingeschleppte Ameisenart breitet sich vor allem im Südwesten Deutschlands aus. Die Große Drüsenameise kann sogenannte Superkolonien bilden, Straßen und Grundstücke unterhöhlen und technische Anlagen beschädigen. Kommunen setzen auf unterschiedliche Methoden, um die weitere Ausbreitung einzudämmen.

Besonders stark betroffen ist der Karlsruher Stadtteil Neureut. Dort hat sich eine der größten bekannten Kolonien von Tapinoma magnum in Deutschland ausgebreitet. Das betroffene Gebiet umfasst rund 100 Hektar. Die Zahl der Tiere dürfte in die Milliarden gehen, wobei sich der größte Teil unter der Erde aufhält.

Milliarden Ameisen in Karlsruhe

Die Bekämpfung ist aufwendig. Mitarbeiter des Gartenbauamts behandeln befallene Straßen, Mauern, Plätze und Grünanlagen mit heißem Wasser. Dabei werden Temperaturen von bis zu 110 Grad eingesetzt, um die Tiere und ihre Brut in Fugen und im Boden zu erreichen. Das Verfahren muss regelmäßig wiederholt werden.

Eine vollständige Ausrottung gilt unter diesen Bedingungen als kaum realistisch. Stattdessen konzentrieren sich die Behörden darauf, die bestehenden Kolonien möglichst klein zu halten und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums und des Ameisenexperten Manfred Verhaagh wurde die Art inzwischen in fast 90 Kommunen des Bundeslandes nachgewiesen. Besonders günstige Bedingungen findet Tapinoma magnum im Südwesten vor, unter anderem wegen des vergleichsweise milden Klimas und der sandigen Böden in Teilen der Rheinebene.

Schäden an Straßen und Gebäuden

Die Große Drüsenameise kann nicht nur lästig werden, sondern auch Schäden an der Infrastruktur verursachen. Die Tiere nutzen Hohlräume und Fugen als Nistplätze und können dabei größere Bereiche besiedeln. In mehreren betroffenen Kommunen haben sich bereits Gehwege abgesenkt oder Mauern gelockert.

In Kehl etwa drangen Ameisen in Verteilerkästen ein und beeinträchtigten dadurch die Technik. Ein Spielplatz musste zeitweise gesperrt werden. Auch Terrassen, Hauszugänge und andere befestigte Flächen können betroffen sein.

Für Bewohner kann die Bekämpfung besonders schwierig werden, wenn sich die Tiere auf privaten Grundstücken ausbreiten. Herkömmliche Ameisenköder oder das Absaugen mit einem Staubsauger reichen bei großen Kolonien häufig nicht aus. Entscheidend ist, möglichst viele Tiere und insbesondere Königinnen zu erreichen.

An der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe arbeitet Biologe Andreas Martens deshalb an speziellen Fallen. Dabei werden unter anderem Lochsteine mit einer Abdeckung eingesetzt, die für die Ameisen einen geeigneten trockenen Unterschlupf darstellen. Befinden sich möglichst viele Tiere und Königinnen darin, kann die Falle in Wasser entleert werden.

Kommunen investieren in die Bekämpfung

Die Maßnahmen verursachen erhebliche Kosten. In Kehl, wo die Ameisen seit 2023 bekämpft werden, fallen nach Angaben der Stadt jährlich rund 50.000 Euro für den laufenden Einsatz an. Hinzu kamen etwa 60.000 Euro für ein eigenes Heißwassergerät. Die Stadt hatte zuvor externe Dienstleister eingesetzt, stellte deren Arbeit jedoch als nicht ausreichend effizient dar.

Auch andere Kommunen müssen inzwischen größere Summen bereitstellen. Nürtingen hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr rund 14.000 Euro für die Bekämpfung ausgegeben. Insgesamt sind dort 25.000 Euro im Haushalt vorgesehen.

Karlsruhe investierte 120.000 Euro in ein Fahrzeug mit Heißwassertechnik. Hinzu kommen Personalkosten und Ausgaben für die Reparatur von beschädigten Wegen und anderen Anlagen. Die Stadt plant, das bisherige Team für die Bekämpfung der Ameisen deutlich zu vergrößern. Für weitere Teams könnten jährlich insgesamt rund eine Million Euro an Personalkosten anfallen.

Neben Heißwasser und Fraßködern werden weitere Verfahren diskutiert. Dazu gehört etwa das Vereisen befallener Bereiche mit Stickstoff. Für einen großflächigen Einsatz fehlen bislang jedoch ausreichende Erfahrungen.

Ausbreitung schwer zu stoppen

Das größte Problem bleibt die besondere Lebensweise der Großen Drüsenameise. Anders als viele heimische Ameisenarten können die Tiere sehr große Verbände bilden, in denen zahlreiche Königinnen zusammenleben. Dadurch entstehen ausgedehnte Superkolonien, die sich nur schwer vollständig bekämpfen lassen.

Für die Kommunen geht es deshalb zunehmend darum, neue Befallsgebiete möglichst früh zu erkennen und eine weitere Ausbreitung einzudämmen. Dabei sind auch private Grundstücke relevant. Wenn befallene Gärten nicht behandelt werden, können sich die Kolonien von dort aus weiter ausbreiten.

Die Entwicklung im Südwesten gilt deshalb als Hinweis darauf, welche Probleme auf weitere Regionen zukommen könnten. Noch ist die Große Drüsenameise nicht flächendeckend in Deutschland verbreitet. In den betroffenen Kommunen zeigt sich jedoch bereits, wie aufwendig und teuer die Bekämpfung werden kann.

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