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Diabetes-Hund als Familienmitglied

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Wenn der neunjährige Leon aus Göttingen schläft, wacht Labradorhündin Lulu über seine Gesundheit. Wenn sie ihre Nase unter seine Hand schiebt und den Jungen zu wecken versucht, ist Gefahr im Verzug. Der Blutzuckerspiegel des Kindes ist gefährlich niedrig, doch Leon merkt nichts davon.

Die Hündin tapst ins Schlafzimmer der Eltern und Sekunden später steht Leons Mutter am Bett, um ihrem Sohn Traubenzucker auf die Zunge zu legen. Leon ist an Diabetes I erkrankt, Lulu ist ein Diabetikerbegleit- und Warnhund, der im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Nase hat für sich dramatisch verändernde Blutzuckerwerte. „Lulu ist die sicherste Alarmanlage der Welt“, sagt Leons Mutter und streichelt dem drei Jahre alten Tier über das Fell. „Sollten wir mal nicht zu Hause sein, gibt die Hündin uns Signal über einen Notrufknopf am Telefon“, erklärt sie.

Leon ist seit seinem zweiten Lebensjahr Diabetiker. „Er bekam unerklärbare Schmerzen, hatte ständig Durst, weinte unaufhörlich und wir wussten nicht, warum“, erinnert sich die Mutter. Als die chronische Stoffwechselerkrankung diagnostiziert wurde, bedeutete das für die Eltern, Nacht für Nacht aufzustehen, um den Blutzuckerspiegel ihres Sohnes zu messen.

Weil der Körper das lebenswichtige Hormon Insulin nicht produziert, er damit weder auf Stress noch auf Wachstum adäquat reagiert, kann der Wert jederzeit zu hoch oder zu niedrig sein. In beiden Fällen muss sofort gehandelt werden. „Welches Kind lässt sich schon gern spritzen. Aber es ist die einzige Möglichkeit, unserem Sohn zu helfen“, erklärt Leons Vater.

In einer Fachzeitschrift für Diabetiker lasen die Eltern einen Artikel über Diabetiker-Warnhunde. Simone Luca Barrett gilt als Wegbereiterin für den Einsatz von Diabetikerhunden in Deutschland. Sie selbst leidet an Diabetes vom Typ I und erfuhr von einer speziellen Hundeausbildung in den USA. Sie absolvierte dort einen Kurs und bildete einen Hund aus. „Und weil sich schnell herumsprach, wie gut er mir hilft, wollten plötzlich viele Betroffene einen solchen lebensrettenden Hund“, sagt sie. Gemeinsam mit Diana Poyson, Betreiberin einer Hundeschule, werden nun seit vier Jahren in Osterode in Niedersachsen Begleithunde für Diabetiker ausgebildet.

Lulu begleitet Leon fast überall hin. Die Hündin bringt ihn in die Schule, holt ihn auch wieder ab. Bald soll sie auch neben Leon im Unterricht sitzen. Das übt die Familie gerade. Ihren Sohn seit fast drei Jahren in sicheren Pfoten zu wissen, war den Eltern rund 8.000 Euro wert. Dass sie das Geld für die Anschaffung und Ausbildung des Hundes nicht von der Krankenkasse erstattet bekommen, ärgert sie dennoch. Die Familie klagt deshalb beim Sozialgericht. „Es will uns nicht in den Kopf, warum die Kosten für einen Diabetiker-Warnhund nicht ähnlich wie beim Blindenbegleithund übernommen werden“, sagt Leons Vater.

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