Ein neues Möbelstück muss nicht immer gekauft werden. Oft reicht frische Farbe, um einer Kommode, einem Stuhl oder einem Nachttisch ein zweites Leben zu geben. Besonders Holzmöbel eignen sich gut für solche Arbeiten. Sie lassen sich abschleifen, grundieren und neu lackieren – vorausgesetzt, der Untergrund wird sorgfältig vorbereitet.
Auch Metall kann lackiert werden. Schwieriger wird es bei Kunststoff, weil die Oberfläche meist sehr glatt ist und Farbe schlechter haftet. Bei Holz wiederum kommt es darauf an, ob es roh, bereits gestrichen oder aus beschichteten Platten gefertigt ist.
Der Untergrund muss tragfähig sein
Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist der Zustand der Oberfläche. Alter Lack darf nicht abblättern oder sich lösen. Ist das der Fall, muss er abgeschliffen werden. Sitzt die alte Lackschicht dagegen fest und ist nur dünn, reicht es häufig, sie anzurauen.
Bei größeren Flächen kann ein Schleifgerät helfen. Für kleinere Möbelstücke genügt meist ein Schleifklotz mit Schleifpapier. Je glatter der Untergrund vorbereitet ist, desto gleichmäßiger wird später der Lackauftrag.
Sinnvoll ist ein stufenweises Schleifen. Zunächst wird mit gröberem Papier begonnen, etwa mit 120er-Körnung. Danach folgt ein Feinschliff mit 180er- oder 220er-Körnung. Anschließend muss das Möbelstück gründlich entstaubt werden. Ein altes Baumwolltuch eignet sich dafür gut. Bleibt Schleifstaub zurück, haftet der Lack schlechter und die Oberfläche kann unruhig werden.
Lack, Lasur oder Beize
Für farbige Oberflächen kommen unterschiedliche Verfahren infrage. Beizen verändern den Farbton des Holzes, lassen die Struktur aber sichtbar. Lasuren enthalten weniger Pigmente als Decklacke und lassen den Untergrund ebenfalls durchscheinen. Decklacke bilden eine geschlossene Farbschicht und eignen sich, wenn das Möbelstück einen völlig neuen Look bekommen soll.
Erhältlich sind Produkte auf lösemittelhaltiger oder wasserbasierter Basis. Für Heimwerker sind wasserbasierte Acryllacke häufig besonders praktisch. Sie riechen weniger intensiv, lassen sich gut verarbeiten und Arbeitsgeräte können meist mit Wasser gereinigt werden. Viele Produkte enthalten bereits eine Grundierung, was den Arbeitsaufwand verringert.
Trotzdem sollte geprüft werden, ob eine zusätzliche Grundierung notwendig ist. Das gilt vor allem bei stark saugendem Holz, dunklen Altanstrichen oder Materialien wie MDF und Pressspan.
Vor dem Lackieren vorbereiten
Bevor Farbe aufgetragen wird, sollten Beschläge, Griffe und Scharniere möglichst abgeschraubt werden. Was nicht entfernt werden kann, wird sorgfältig abgeklebt. Auch der Arbeitsbereich braucht Vorbereitung. Er sollte sauber, trocken und gut gelüftet sein.
Gut geeignet sind Garage, Werkraum oder ein Raum mit geöffnetem Fenster. Im Garten kann zwar mit viel Luft gearbeitet werden, doch dort drohen andere Probleme: Staub, Blätter, Pollen oder Insekten können sich im frischen Lack absetzen.
Beim Lackieren selbst gilt: lieber dünn und gleichmäßig arbeiten als zu viel Farbe auf einmal aufzutragen. Der erste Anstrich sollte ohne lange Pausen erfolgen, damit keine sichtbaren Ansätze entstehen. Jede Bahn wird gleichmäßig vor- und zurückgestrichen.
Zwischenschliff für eine glatte Oberfläche
Nach dem ersten Anstrich richten sich bei Holz oft feine Fasern auf. Deshalb ist ein Zwischenschliff wichtig. Dabei wird die getrocknete Lackschicht mit feinem Schleifpapier oder Schleifvlies leicht geglättet. Danach wird erneut entstaubt und eine weitere Lackschicht aufgetragen.
Gerade unbehandeltes Holz braucht häufig mehrere Durchgänge. Erst dadurch entsteht eine geschlossene, belastbare und gleichmäßige Oberfläche. Bei Möbeln aus MDF oder Pressspan sind mehrere Schichten besonders wichtig. Hier kann ein Absperrgrund verhindern, dass Flecken oder Inhaltsstoffe durchschlagen. Ein Füller gleicht kleine Unebenheiten aus, danach folgen Decklack und gegebenenfalls Klarlack.
Rolle, Pinsel oder Spritzlack
Für die meisten Heimwerker reichen Lackrolle und Pinsel aus. Rollen eignen sich für größere glatte Flächen, Pinsel für Kanten, Ecken und Details. Kleine runde Pinsel können direkt in die Farbdose getaucht werden. Damit der Dosenrand sauber bleibt und sich der Deckel später wieder schließen lässt, kann er mit Kreppband abgeklebt werden.
Spritzlacke sind bei größeren dreidimensionalen Gegenständen möglich, verlangen aber mehr Ausstattung und Erfahrung. Dazu gehören geeignete Ablagen, Schutzmaßnahmen, gute Belüftung und im professionellen Bereich auch Spritzpistolen und Druckluft.
Nicht jedes Werkzeug muss neu gekauft werden. Schleifgeräte und anderes Zubehör lassen sich in vielen Baumärkten ausleihen. Auch Nachbarn können eine Quelle für selten genutztes Werkzeug sein. Alte Pinsel sollten vor dem Einsatz geprüft werden. Wenn sie Haare verlieren, kann es helfen, sie ein- oder zweimal über Schleifpapier zu ziehen, damit lose Borsten entfernt werden.
Alte Möbel gewinnen durch Sorgfalt
Das Lackieren von Möbeln ist keine schwierige Arbeit, verlangt aber Geduld. Wer sauber schleift, sorgfältig entstaubt, dünn lackiert und Zwischenschliffe einplant, erzielt deutlich bessere Ergebnisse als mit einem schnellen Anstrich.
Besonders klassische Holzmöbel eignen sich für solche Projekte. Sie können farblich an eine neue Einrichtung angepasst werden, ohne ersetzt werden zu müssen. So entsteht mit überschaubarem Aufwand ein veränderter Look – und aus einem alten Möbelstück wieder ein Teil, das zum Raum passt.
