Wie eine friedliche Trennung gelingen kann

Wenn eine Beziehung endet, ist Streit oft vorprogrammiert. Beide Ex-Partner befinden sich einer hochemotionalen Situation und müssen trotzdem sachliche Dinge klären wie: Wie sagen wir es den Kindern? Wer wohnt in Zukunft wo? Oder: Was machen wir mit der gemeinsamen Firma?

Viele Streitigkeiten während der Trennung haben nichts mit der aktuellen Situation zu tun, sondern sind Altlasten aus der zu Ende gehenden Beziehung. Sich Trennende sollten sich klarmachen, woher diese Emotionen kommen und warum sie so stark sind. Eine friedliche Trennung kann nur gelingen, wenn die sachlichen Themen geklärt sind.

Warum kommt es überhaupt so oft zu einem Rosenkrieg nach einer Trennung? Es stehen sich zwei Parteien gegenüber, die sich einmal sehr geliebt haben und sehr gut kennen. Diese zwei Menschen kämpfen mit allen Mitteln gegeneinander. Beide kennen sich so gut, dass die Kampfstrategien gezielter gesetzt werden können und damit treffsicherer sind.

Außerdem kommt es zum sogenannten Säbelzahntiger-Effekt: Fühlen wir uns von Partner potenziell existenziell bedroht, reagieren wir instinktiv – ähnlich wie ein in die Enge getriebenes Tier.

Eine einvernehmliche Trennung ist in vielerlei Hinsicht erstrebenswert, leicht ist aber nicht. Auch wenn es schwer ist, sollte immer versucht werden, die friedlich gestimmte Seite zu aktivieren und uns klarzumachen, dass abwehrendes Verhalten nicht zum Ziel führen wird.

Unsere Tipps:

Die Trennung und die Schmerzen akzeptieren

Es dauert unter Umständen sehr lange, bis wir mit einer Trennung unseren Frieden machen und abschließen können. Zuvor müssen wir verstehen, warum es nicht geklappt hat und das Ende der Beziehung akzeptieren. Alles, was wir nicht annehmen und akzeptieren können, bekämpfen wir. Das wäre in diesem Fall der Ex-Partner und damit der Anfang eines Rosenkriegs mit ungewissem Ausgang.

„Ich“- Botschaften senden

Wenn eine Beziehung scheitert, dann ist die Paar-Kommunikation meist schon länger gestört. Wenn dann noch einer der Partner die Trennung möchte, macht es das für beide Seiten nicht einfacher. Lautes Lospoltern ist keine gute Idee, auch wenn man lange aufgestaute Emotionen loswerden möchte. „Du‘-Botschaften aktivieren den Säbelzahntiger-Effekt und bringen uns in die Defensive, was den Kampf beginnen lässt.“ Paartherapeuten empfehlen: „Ich“- statt „Du“-Botschaften und sich klar machen, dass es in der Natur der Sache liegt, dass die Interessen des Partners nun unseren gegenüberstehen. Der Partner darf nun anders denken. Wenn wir verstehen, dass es okay ist, unterschiedliche Meinungen zu haben, können wir die Meinung des Anderen auch akzeptieren.

Den Ex-Partner nicht mehr kritisieren

Kritik am Ex-Partner, auch wenn sie noch gerechtfertigt ist, ist nach der Trennung Tabu. Wenn das schon in der Beziehung schwierig war, wird es nach der Trennung nicht auf einmal gelingen. Lieber Wünsche und konstruktive Vorschläge formulieren. Und wenn der Ex-Partner einen kritisiert, darf man ruhig antworten, dass man das nicht mehr möchte.

Nicht nur schimpfen, sondern eigene Bedürfnisse benennen

Schon in einer Beziehung haben wir viele Bedürfnisse, die vielleicht nicht immer erfüllt wurden. Nach einer Trennung kommen neue hinzu: beispielsweise wollen wir respektvoll behandelt werden, eine Entschuldigung hören, einen Neuanfang machen oder auch finanziell abgesichert sein. Um diese Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, gilt es eine zielführende Strategie anzuwenden.

Die beste Strategie, ein Bedürfnis erfüllt zu bekommen, besteht immer noch darin, einen Wunsch zu äußern. Das Gegenüber kann dann mit „Ja“ oder „Nein“ antworten – was akzeptiert werden muss. Wer ein „Nein“ nicht akzeptieren kann, hat eventuell eher einen Befehl oder eine Erwartung als einen Wunsch formuliert und trägt so dazu bei, dass der Konflikt eher eskaliert.

Zuhören

Manchmal kann aber auch die noch so vorsichtig formulierteste Nachricht beim Empfänger einen Nerv treffen, wird etwa wie ein Befehl aufgefasst und löst umgehend alte, negative Gefühle aus. Statt gleich auszuflippen sollten Empfänger erst einmal zuhören, und zwar so „neutral und sachlich wie möglich.“ Das gelingt aber nur, wenn man sich selbst und seine Emotionen völlig zurücknimmt. Zum aktiven Zuhören gehört auch: nachfragen und bestätigen, dass man etwas verstanden hat. Ziel ist es, den Wunsch des Gegenübers herauszuhören und zu verstehen, was der andere gerade braucht.

Von der Schuldfrage ablassen

Es ein menschlicher Reflex: Wenn etwas scheitert, suchen wir einen Schuldigen. Doch in Beziehungsfragen ist das wenig zielführend. Wer nach einem Schuldigen sucht oder sich selbst schuldig spricht, der arbeitet nichts auf, sondern bleibt im Problem haften. So wird die Schuldfrage zum Nebenkriegsschauplatz, denn objektiv wird sie nie beantwortet werden. Hat nicht jeder für sich genommen Recht? Und wenn beide Seiten meinen, im Recht zu sein: Was bringt dann die Feststellung der Schuld?

So bringen Sie eine Scheidung ordentlich über die Bühne

Oftmals wird dem Partner die Schuld gegeben, der den finalen Schlussstrich gezogen und somit die „Einheit der Familie“ beendet hat. Es erfordert lange Gespräche, um die Einsicht zu vermitteln, dass nicht derjenige, der die Familie auflöst, der Schuldige ist, sondern die kaputte Paarbeziehung der Grund dafür war.

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