Als unsere älteste Tochter Ida (15) zum dritten Mal fragte, wann sie endlich eine Tür hinter sich schließen dürfe, griff ich nicht mehr zum Immobilienportal, sondern zum Zollstock. Ich bin Karoline, 42, und lebe mit meinem Mann Sebastian und unseren fünf Kindern in einer 118 Quadratmeter großen Altbauwohnung in Köln. Das klingt großzügig – bis sieben Menschen gleichzeitig ihre Sportsachen suchen.
Wir hatten Wohnungen besichtigt. Doch schon ein zusätzliches Zimmer hätte unsere Miete deutlich erhöht. Unser günstiger alter Mietvertrag hielt uns fest. „Lock-in-Effekt“ nennt man das wohl. Also wollten wir die Wohnung verändern statt die Adresse.
Wir breiteten den Grundriss auf dem Küchentisch aus und klebten mit Malerkrepp Linien aufs Parkett. Das 28 Quadratmeter große Wohnzimmer hatte zwei Fenster. Wenn wir an der Flurseite neun Quadratmeter abtrennten, bekäme Ida ein eigenes Zimmer mit Tageslicht und einer Tür zur Diele. Übrig blieben 19 Quadratmeter zum Wohnen. Das Sofa passte noch, der wuchtige Couchtisch nicht.
Vermieterin stimmt zu
Unsere Vermieterin stimmte schriftlich zu; auch einen möglichen Rückbau klärten wir. Tragende Wände und Heizkörper blieben unangetastet. Für die Trennwand beauftragten wir einen Trockenbauer. Er setzte Metallprofile auf Dämmstreifen, füllte die Zwischenräume mit Mineralwolle und beplankte beide Seiten doppelt mit Gipskarton. Eine dicht schließende Tür sollte zusätzlich für Ruhe sorgen. Ein Regal als Raumteiler wäre billiger gewesen, aber Ida wollte Privatsphäre.
Die Steckdosen und den Lichtschalter an der neuen Wand setzte ein Elektriker. Sebastian und ich spachtelten, schliffen und strichen selbst. Der Staub landete sogar in den Brotdosen. Mit dem Bett am Fenster wirkte Idas Zimmer überraschend hell. Ein schmales Wandregal ersetzte den Nachttisch, der Schreibtisch bekam eine klappbare Platte.
Dann entdeckten wir unsere 3,55 Meter hohen Decken neu. In den beiden übrigen Kinderzimmern ließen wir Schränke bis fast unter die Decke bauen. Unten befinden sich Schubladen und offene Fächer für die Kinder, oben lagern Winterdecken, Koffer und Weihnachtsdekoration. An die obersten Fächer gehen nur wir Erwachsenen mit einer standsicheren Leiter. Die Schreibtische blieben am Fenster.
Eine fünfstellige Summe
Im Zimmer der beiden Jüngsten ersetzten wir zwei ausladende Bettgestelle durch ein niedriges Podest für die Matratzen. Darunter laufen große Bettkästen auf Rollen, beschriftet mit „Lego“, „Kostüme“ und „Bettwäsche“. Im Flur bauten wir 35 Zentimeter tiefe Schränke mit Schiebetüren ein. Alles andere hätte den Durchgang zu eng gemacht. Auch die Küchenbank erhielt Stauraum unter der Sitzfläche – mit einem Beschlag, der den Deckel offen hält.
Knapp 14.000 Euro kosteten Trennwand, Elektrik und Maßmöbel zusammen. Eine Menge Geld, aber weniger als ein Umzug mit dauerhaft höherer Miete. Das Bad ist noch immer zu klein, morgens streiten wir weiterhin über den Spiegel. Doch Ida kann ihre Tür schließen, und die Jüngsten finden sogar ihre Kostüme wieder. Ich habe gelernt: Mehr Platz entsteht nicht immer durch mehr Quadratmeter. Manchmal muss man nur jeden vorhandenen besser nutzen.
