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Der Garten, der abends blüht

Viele Gartenbesitzer haben während der Woche erst nach Feierabend Zeit, ihren Garten zu genießen. Das muss kein Nachteil sein. Wer Pflanzen gezielt auswählt, kann den Abend im Grünen besonders stimmungsvoll gestalten. Denn manche Blüten entfalten ihre Wirkung erst im sanften Licht der Dämmerung – dann, wenn der Tag langsam ausklingt und die sogenannte blaue Stunde beginnt.

Weiße, blaue, violette und zart pastellfarbene Blüten leuchten in dieser Zeit besonders intensiv. Rot-, Orange- und Gelbtöne wirken am Abend dagegen oft matter und verlieren an Strahlkraft. Der Grund liegt in der Lichtwirkung: Weiß reflektiert das schwindende Tageslicht besonders stark. Auch die kurzwelligen Blautöne nimmt das Auge länger wahr als Rot- oder Orangetöne.

Wer einen Sitzplatz auf der Terrasse oder im Garten plant, kann sich diesen Effekt zunutze machen. Beete, Rabatten und bepflanzte Kübel in Sichtweite des Sitzplatzes sollten so gestaltet werden, dass sie am Abend noch sichtbar und lebendig wirken.

Pflanzen für die blaue Stunde

Für einen Abendgarten eignen sich vor allem Pflanzen mit hellen, blauen, violetten oder pastelligen Blüten. Sie bringen Leichtigkeit in die Dämmerung und bleiben auch dann noch präsent, wenn kräftige Tagesfarben bereits verschwimmen.

Eine schöne Staude für spätsommerliche Beete ist die Schleier-Aster. Die Aster cordifolius-Hybride „Hedwig“ wächst buschig und bildet üppige Blütenrispen mit kleinen, blasslila Blüten. Besonders wirkungsvoll ist sie, wenn sie in größeren Gruppen gepflanzt wird. Sie bevorzugt einen sonnigen Standort sowie nährstoffreichen, humosen Boden. In Trockenzeiten sollte regelmäßig gewässert werden. Gepflanzt wird im Frühjahr oder Herbst. Die Staude wird etwa einen Meter hoch und blüht von August bis Oktober.

Rosen, Lavendel und helle Blüten

Ein klassisches Duftduo für sonnige Plätze in Terrassennähe sind Rosen und Lavendel. Besonders reizvoll ist die Kombination aus einer Kletterrose wie „The Fairy“ und Lavendel. Beide Pflanzen bringen Farbe und Duft in den Abendgarten. Nach Feierabend lassen sich die pastellfarbenen Blüten und der aromatische Duft noch lange genießen.

Auch Clematis eignet sich für den Abendgarten. Die großblütige Waldrebe Clematis macropetala ist eine Kletterpflanze mit glockenförmigen Blüten. Sie bevorzugt sonnige Standorte und nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden. Der Wurzelbereich sollte kühl, feucht und beschattet bleiben. Gepflanzt wird am besten im Herbst, alternativ im Frühjahr. Die Pflanze wird etwa zwei Meter hoch und blüht im Mai.

Leichte Formen für sonnige Beete

Für sonnige, warme Plätze eignet sich die Schleier-Verbene, botanisch Verbena bonariensis. Die einjährige Sommerblume liebt trockene, kalkhaltige Sandböden. Sie wird im April oder Mai gepflanzt, erreicht eine Höhe von etwa 90 bis 120 Zentimetern und blüht von Juli bis Oktober. Ihre lockeren Blütenstände wirken besonders schön, wenn sie zwischen kompakteren Stauden stehen.

Auch Ehrenpreis ist eine passende Staude für helle Abendbeete. Veronica spicata besitzt grau-grünes Laub und bevorzugt sonnig-warme Plätze mit durchlässigem Boden. Die Pflanzzeit liegt im Herbst. Die Pflanze wird etwa 35 bis 50 Zentimeter hoch und blüht von Juli bis September.

Die Jungfer im Grünen, Nigella damascena, ist eine einjährige Sommerblume für gut durchlässige, normale Gartenböden in voller Sonne. Ausgesät wird im Herbst oder von März bis Mai. Sie erreicht eine Höhe von etwa 40 bis 60 Zentimetern und blüht von Juni bis September. Ihre feinen Blüten und filigranen Samenstände passen gut in natürlich wirkende Pflanzungen.

Reinblau als besonderer Akzent

Eine außergewöhnliche Pflanze für den Abendgarten ist der Scheinmohn, Meconopsis betonicifolia. Die Staude trägt reinblaue Blüten und verlangt nährstoffreiche, frische Böden. Wichtig ist ein saurer Boden. Wer pflanzt, kann Rhododendronerde ins Pflanzloch geben. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein. Gepflanzt wird im Frühjahr. Der Scheinmohn wird etwa einen Meter hoch und blüht von Juni bis August.

Ein weiteres zartes Duo bilden Bartfaden und Wiesenraute. Die Glöckchen des Bartfadens, Penstemon-Hybride, und die filigranen Blütenrispen der Wiesenraute, Thalictrum dipterocarpum, fühlen sich im lichten Schatten wohl. Ihre hellen, weichen Farbtöne leuchten in den Abendstunden besonders schön auf.

Im Abendgarten zählen Formen

Für eine Rabatte, die im Abendlicht wirken soll, sind nicht nur Farben entscheidend. Ebenso wichtig ist das Zusammenspiel der Blütenformen. Feine Farbabstufungen treten in der Dämmerung kaum noch hervor. Pastellige Blütenfarben harmonieren jedoch gut mit Weiß und Blautönen.

Spannend wirkt ein Beet, wenn unterschiedliche Formen kombiniert werden. Kugelblüten von Hortensie, Dahlie, Rose oder Zierlauch können mit kerzenförmigen Blüten von Rittersporn, Veronica, Königskerze oder Lupine wechseln. Dazwischen lockern Pflanzen mit feinen Blütenstrukturen wie Schleier-Verbene oder Jungfer im Grünen die Pflanzung auf.

Duft wird am Abend wichtiger

Viele Pflanzen entfalten erst in der Dämmerung ihren intensiven Duft. Dazu gehören Nachtviole, Ziertabak und Nachtkerze. Sie sollten möglichst in Terrassennähe stehen, damit ihr Aroma am Sitzplatz wahrgenommen wird.

Gut kombinieren lassen sie sich mit mediterranen Duftkräutern wie Lavendel, Salbei und Rosmarin. Ihr grau-grünes Laub schimmert im Abendlicht sanft und unterstützt die ruhige Atmosphäre. Windlichter, helle Gartenmöbel und dezente Beleuchtung verstärken die Wirkung zusätzlich.

Schattenplätze mit blauen Blüten aufwerten

Auch schattige Bereiche können in einen Abendgarten eingebunden werden. Sie gelten oft als schwierig zu bepflanzen, lassen sich aber mit geeigneten Bodendeckern aufwerten. Das Kleine Immergrün, Vinca minor, ist pflegeleicht und robust. Im April breitet es seine hellblauen Tellerblüten wie einen Teppich aus.

Besonders schöne Effekte entstehen, wenn blaue Sorten wie „La Grave“ mit weißen Sorten wie „Gertrude Jekyll“ kombiniert werden. Außerhalb der Blütezeit bildet das Kleine Immergrün eine dichte, immergrüne Pflanzendecke. Sie schützt den Boden vor dem Austrocknen und unterdrückt unerwünschten Wildwuchs.

Ein Garten, der abends blüht, muss also nicht aufwendig sein. Entscheidend sind helle Blüten, passende Formen, duftende Pflanzen und ein Platz, von dem aus man all das wahrnehmen kann. Dann wird der Feierabend im Garten nicht zur Notlösung, sondern zur schönsten Tageszeit.

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