Im Sommer wirkt der Gemüsegarten oft schon entschieden. Die ersten Reihen sind abgeerntet, Frühkartoffeln verschwinden aus dem Boden, Radieschen sind längst gegessen, Buschbohnen wachsen oder werden bald frei. Wer jetzt denkt, die Saison sei gelaufen, verschenkt allerdings Wochen. Gerade im Juni, Juli und August lässt sich noch erstaunlich viel pflanzen und säen.
Viele Beete werden im Sommer nicht leer, sondern wechseln nur die Besetzung. Wo Frühkartoffeln, frühe Möhrensorten oder Buschbohnen standen, können bald Setzlinge von Rosenkohl, Grünkohl, Mangold oder Winterlauch einziehen. Diese Kulturen nutzen die zweite Jahreshälfte und liefern oft dann Ernte, wenn Tomaten und Zucchini längst nachlassen.
Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt. Sommerkulturen wachsen rasch, doch ab Spätsommer werden die Tage kürzer. Was zu spät gesät wird, entwickelt zwar noch Blätter, bildet aber möglicherweise keine kräftigen Knollen, Köpfe oder Wurzeln mehr. Deshalb lohnt es sich, frei werdende Reihen nicht wochenlang ungenutzt zu lassen.
Was nach Frühkartoffeln gut passt
Frühkartoffeln räumen das Beet vergleichsweise früh. Danach bleibt genug Zeit für kräftige Nachkulturen. Rosenkohl und Grünkohl gehören zu den klassischen Kandidaten. Beide brauchen Nährstoffe und Standraum, kommen aber mit kühleren Herbsttagen gut zurecht. Grünkohl gewinnt nach den ersten kalten Nächten sogar an Geschmack.
Auch Winterlauch passt gut in frei gewordene Reihen. Er wächst langsam, bleibt lange im Beet und kann je nach Sorte bis weit in den Winter hinein geerntet werden. Mangold ist ebenfalls dankbar: Er wächst nach dem Schnitt wieder nach und liefert noch lange Blätter für Pfanne, Suppe oder Auflauf.
Wichtig ist, den Boden nach der ersten Kultur zu lockern und mit reifem Kompost oder organischem Dünger zu versorgen. Frühkartoffeln hinterlassen keine völlig erschöpfte Fläche, aber Kohl und Lauch gehören zu den hungrigeren Gemüsearten.
Möhren und Salate für die zweite Runde
Wo Radieschen standen, können späte Möhrensorten folgen. Geeignet sind etwa ‘Nantaise 2’ oder farbige Sorten wie ‘Purple Haze’. Möhren brauchen einen lockeren, steinfreien Boden und gleichmäßige Feuchtigkeit beim Keimen. Im Sommer trocknet die oberste Erdschicht schnell aus; deshalb sollte die Saat sorgfältig feucht gehalten werden.
Auch Kopfsalat, Pflücksalat und Eissalat lassen sich im Sommer noch anbauen. Allerdings reagieren viele Sorten empfindlich auf Hitze und Trockenstress. Dann schießen sie schneller, werden bitter oder bilden keine schönen Köpfe. Wer im Juli oder August sät oder pflanzt, sollte hitzetolerante Sorten wählen und die Pflanzen in den ersten Tagen schattieren.
Radicchio und Endivie sind typische Kulturen für Spätsommer und Herbst. Sie profitieren davon, dass die größte Hitze irgendwann nachlässt. Endiviensorten wie ‘Escariol’ oder ‘De Louviers’ bringen robuste Blätter, die gut zu kräftigen Herbstsalaten passen.
Kohlrabi, Kohl und Erbsen: auf den Kalender achten
Herbstkohlrabi sollte nur noch bis Ende Juni gesät werden. Später reicht die Wachstumszeit oft nicht mehr zuverlässig aus, vor allem wenn der Herbst früh kühl und dunkel wird. Wer später dran ist, greift besser zu Jungpflanzen.
Bis Mitte oder Ende Juli kann sich die Aussaat von Zuckererbsen und Markerbsen noch lohnen, sofern der Standort nicht zu heiß und trocken ist. Erbsen mögen keine extreme Hitze, keimen aber bei gleichmäßiger Feuchtigkeit zuverlässig. Auch Möhren, Mangold, Radicchio, Kopfsalat und manche Kohlarten können bis dahin noch gesät werden.
Bei Kohl ist die Kulturzeit besonders wichtig. Weißkohl, Wirsing oder Rotkohl brauchen je nach Sorte viel Zeit. Für den Sommeranbau eignen sich deshalb vorgezogene Jungpflanzen oft besser als Direktsaat. Grünkohl, Chinakohl und Pak Choi sind flexibler, solange Sorte und Aussaatzeit passen.
Bis August leere Reihen mit Jungpflanzen füllen
Im Hochsommer ist die Pflanzung von Jungpflanzen oft sicherer als die Aussaat. Bis in den August hinein können freie Reihen noch mit Pflücksalat, Kopfsalat, Eissalat, Chinakohl, Pak Choi, Endivie, Fenchel und Kohlrabi gefüllt werden.
Bei Salaten eignen sich robuste Sorten wie ‘Amerikanischer Brauner’ oder ‘Ovation’. Chinakohl und Pak Choi wachsen zügig, sollten aber nicht austrocknen. Fenchel braucht gleichmäßige Feuchtigkeit, sonst bleibt die Knolle klein oder schosst. Kohlrabi wächst im Spätsommer oft besser als in der größten Hitze, wenn er nicht unter Trockenstress gerät.
Der Vorteil von Jungpflanzen liegt auf der Hand: Sie überspringen die empfindliche Keimphase. Das Beet ist schneller wieder geschlossen, und die Pflanzen können den verbleibenden Sommer besser nutzen.
Hitze ist die größte Gefahr
Sommerpflanzungen scheitern selten an fehlendem Willen, eher an Sonne, Trockenheit und heißem Boden. Frisch gesetzte Pflanzen haben noch keine tiefen Wurzeln. Sie müssen nach dem Pflanzen sorgfältig angegossen werden, am besten direkt an den Wurzelballen. In den folgenden Tagen darf der Boden nicht austrocknen.
Bei großer Hitze hilft Schattierung. Ein Gemüseschutznetz, ein helles Vlies, eine umgedrehte Holzkiste oder etwas Reisig kann die Mittagssonne brechen. Wichtig ist, die Abdeckung luftig zu halten, damit sich darunter keine stehende Hitze bildet.
Gegossen wird besser seltener und gründlich als täglich nur oberflächlich. So wandert das Wasser tiefer in den Boden, und die Pflanzen bilden stabilere Wurzeln. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt, Stroh oder gehäckseltem Pflanzenmaterial kann zusätzlich Feuchtigkeit halten, sollte aber nicht direkt an empfindlichen Stängeln liegen.
Fruchtfolge und Beetgesundheit mitdenken
Wer im Sommer nachpflanzt, sollte nicht nur den Platz, sondern auch die Pflanzenfamilien im Blick behalten. Nach Radieschen, Kohlrabi oder anderen Kreuzblütlern sollte nicht sofort wieder Kohl folgen, wenn es sich vermeiden lässt. Sonst steigt das Risiko für Schädlinge und bodenbürtige Krankheiten.
Besser ist ein Wechsel: Nach Frühkartoffeln Kohl oder Lauch, nach Salat Möhren, nach Radieschen Möhren oder Mangold. In kleinen Gärten lässt sich das nicht immer perfekt umsetzen, doch schon grobe Abwechslung hilft.
Auch Mischkultur kann nützlich sein. Möhren und Lauch passen gut zusammen, Salat kann Lücken zwischen langsameren Kulturen füllen, Kräuter locken Insekten an und nutzen kleine Randflächen.
Die zweite Ernte beginnt mit schnellen Entscheidungen
Ein Sommerbeet bleibt nur dann produktiv, wenn die nächste Kultur schon bereitsteht, bevor die erste vollständig abgeerntet ist. Wer im Juni und Juli Saatgut und Jungpflanzen bereithält, kann Lücken sofort schließen. Aus einer abgeernteten Reihe Radieschen wird dann eine Möhrenreihe, aus dem Kartoffelbeet ein Platz für Grünkohl oder Winterlauch, aus freien Ecken entstehen Salat- und Endivienflächen.
So verlängert sich die Gartensaison deutlich. Der Gemüsegarten ist im Sommer nicht auf dem Weg zum Ende, sondern mitten im Wechsel. Wer jetzt pflanzt, gießt und schützt, erntet später noch einmal: Salat im Spätsommer, Mangold bis in den Herbst, Lauch und Grünkohl sogar dann, wenn der Garten schon wieder stiller wird.
