Pulsmesser richtig anwenden

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Wohlbefinden

Für viele Freizeitsportler gehört mittlerweile ein Pulsmesser fast so selbstverständlich zum Training wie ein gutes Paar Sportschuhe. Vor allem bei Ausdauersportarten wie Jogging, Fahrrad fahren oder beim Spinning kann er nützliche Dienste leisten.

Der Sportler kann damit zu jeder Zeit seine Pulsfrequenz ablesen, die ein Maß für die körperliche Belastbarkeit ist. Das Gerät warnt auch durch akustische und optische Signale, wenn der individuelle Maximalpuls überschritten ist. Mit einem solchen Begleiter sinkt die Gefahr, sich zu überfordern.

Experten wie der Direktor des Institutes für Sportmedizin der Universität Leipzig, Martin Busse, warnen allerdings vor zu großen Erwartungen an Pulsmessgeräte. „Eine Pulsuhr ist nur dann sinnvoll und uneingeschränkt zu befürworten, wenn für den Betreffenden vorher ein Belastungs-EKG gemacht wurde“, sagt Busse. Dann kenne der Sportler seine maximale Pulsfrequenz. Bei 60 bis 70 Prozent dieses individuell sehr unterschiedlichen Wertes liege die richtige Trainingsfrequenz, erklärt der Fachmann.

Wichtig für Anfänger

Besonders wichtig sei die Einhaltung dieses Wertes für Sport-Einsteiger, die ihre Grenzen noch nicht kennen, sowie Menschen mit Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hohem Blutdruck oder erhöhten Blutfettwerten. „Ein routinierter Freizeitsportler braucht keine Pulsuhr mehr“, betont Busse.

Es gibt eine Grundregel: 180 minus Lebensalter ergibt die maximale Herzfrequenz. Der Experte hält von dieser Formel allerdings nichts, da die Abweichungen viel zu groß seien. Deshalb rät er für die genaue Bestimmung der maximalen Pulsfrequenz zum Belastungs- EKG, dass der gesunde Mensch allerdings aus der eigenen Tasche bezahlen muss. Es kostet Busse zufolge etwa 40 Euro. „Es liefert aber wichtige Informationen, mit denen man über Jahre etwas anfangen kann“, sagt er.

Keine Faustregel

Auch die Sportärztin Anneliese Berbalk vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig ist skeptisch, was die Faustregeln bei der Pulsmessung angeht. „So definitiv kann man das nicht sagen“, betont sie. Für die Medizinerin ist generell die Bewegung das A und O. Ideal ist es, wenn man seinen Puls dann auch noch mit einem Messgerät überwachen kann. Schließlich würden im niedrigeren Pulsfrequenz-Bereich die meisten Kalorien verbrannt, was für viele Freizeitsportler von immenser Bedeutung sei. „Steigt der Puls zu hoch, werden mehr Stresshormone ausgeschüttet“, warnt die Expertin. Hier gilt: Wer noch genug Puste für eine ruhige Unterhaltung mit dem Trainingspartner hat, macht es richtig.

Zudem verliere man bei zu hoher Belastung viel schneller die Lust an der Bewegung, sagt die Ärztin. Berbalk empfiehlt Freizeitsportlern, etwa 1000 bis 1500 Kalorien pro Woche zu verbrennen. „Das ist das Optimum für die Gesundheit“, sagt sie. Dies bedeute dreieinhalb Stunden Jogging oder vier bis fünf Stunden Rad fahren. Die Pulsuhr am Handgelenk, die alle wichtigen Daten über einen Sender am Brustgurt empfängt, zeigt neben dem aktuellen Puls unter anderem auch den ungefähren Kalorienverbrauch an. Für viele Sportler ist dies ein Ansporn, beispielsweise beim Joggen noch eine Zusatzrunde einzulegen, um endlich die gewünschte Kalorienzahl zu erreichen. Beim Gruppensport könnte es allerdings mit so genannten uncodierten Pulsmessern ein Problem geben. Sie sind zwar preiswerter als codierte Modelle, empfangen aber häufig die Signale des Nachbarn und können die Ergebnisse so verfälschen.

Große Preisspanne

Wer also lieber in Gesellschaft Sport treibt, sollte sich eine etwas teurere, aber vom Puls des Nachbarn dafür völlig unbeeindruckte, codierte Pulsuhr zulegen. Besonders wichtig ist dies beispielsweise beim Spinning, wo die Fahrräder relativ eng zusammenstehen. Uncodierte Pulsmesser sind schon ab 20 Euro zu haben, die codierten kosten beträchtlich mehr. Die Preisspirale geht bis hinauf zu mehreren hundert Euro. Die günstigste Variante ist allerdings immer noch die eigene Armbanduhr mit Sekundenzeiger, sagt Berbalk. Wer sich eine Pulsuhr nicht leisten kann oder will, könne seine eigene Pulsfrequenz zehn Sekunden lang an der Arm-Arterie ablesen und den Wert anschließend mit sechs multiplizieren.

Persönliche Daten bestimmen Ober-und Untergrenze

Das Pulsmessgerät besteht aus einem Brustgurt mit Sender, der die Herzfrequenz auf die Pulsuhr am Handgelenk überträgt. Über- oder unterschreitet der Sportler während des Trainings eine zuvor ermittelte Ober- beziehungsweise Untergrenze der Herzfrequenz, macht die Pulsuhr darauf aufmerksam. Dies geschieht durch ein optisches Signal auf der Uhr und zusätzlich durch einen Alarmton, der bei Bedarf abgeschaltet werden kann. Damit soll eine Balance zwischen zu starkem aber auch zu laschem Training erreicht werden. Wem das noch nicht reicht, der kann sich zudem den Durchschnitts- puls und auch den Kalorienverbrauch anzeigen lassen. Bevor das Training mit der Pulsuhr beginnen kann, muss der Sportler persönliche Daten eingeben. Dabei hat er die Wahl: Durch Eingabe persönlicher Daten wie Alter, Größe und Gewicht errechnet die Uhr einen Vorschlag für die Pulsober- und -untergrenze. Wer es genauer will, kann diese Grenzen aber auch selbst ermitteln oder von Sportmedizinern berechnen lassen und in die Pulsuhr eingeben.

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