Hintergrund: Waschbär auf Beutezug

Für einen Beutezug braucht der Waschbär nur wenige Sekunden. Flink klettert er auf Obstbäume, durch Katzenklappen und in Hühnerställe. Die kleinen Vorderpfoten heben Deckel, öffnen Türen und durchwühlen Nester. In kürzester Zeit hat er sein Fressen gefunden: Eier, Obst und Kleintiere, nur wenig ist vor dem intelligenten Räuber sicher. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Waschbärpopulation in die Höhe geschnellt.

Der gefräßige Einwanderer aus Nordamerika fühlt sich sichtlich wohl. Doch seine starke Vermehrung führt in einigen Gegenden zu Problemen. Sowohl die Menschen als auch andere Tierarten leiden unter dem Säugetier aus der Familie der Kleinbären. Nur anhand der von Jägern erlegten Exemplare können sich Tendenzen in der Population ablesen lassen.

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Grund dafür ist auch, dass der Allesfresser so gut wie keine natürlichen Feinde hat. Höchstens der Wolf kann den Waschbären gefährlich werden.

Waschbären dringen zunehmend in die Gärten und Häuser ein. Über die Fallrohre der Regenrinne gerieten sie auf Dachböden, nisteten sich dort ein und hinterließen Exkremente. Kaum ein Hühnerstall ist mehr vor den Räubern sicher, sagt Möller. Auch Obstplantagen und Maisfelder werden in Mitleidenschaft gezogen.

Besonders gern hat der Waschbär Pflaumen, Äpfel und Kirschen. Es gibt auch Jäger, die in ihre Fallen Mon Chéri legen. Mit den Pralinen sollen schon einige Waschbären gefangen worden sein.

In freier Wildbahn gerät der Waschbär in den Fokus von Naturschützern. „Wir haben Hinweise darauf, dass er ein zusätzlicher Feind der Wasservögel ist“, sagt der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes NABU, Tom Kirschey. So habe das Tier auch bei der Reduzierung des Kormoran-Bestandes im Land eine Rolle gespielt.

Problematisch sei der Waschbär jedoch besonders bei Arten, die ohnehin schon bedroht seien. „In Brandenburg leben zum Beispiel noch einige wenige Exemplare der europäischen Sumpfschildkröte“, sagt der NABU-Landesvorsitzende. Der Waschbär sei in der Lage, den Panzer dieser Schildkröten zu knacken. Mindestens zwei Tiere seien auf diese „charakteristische Weise“ getötet und gefressen worden. Mit den hohen Schusszahlen der Jäger ist Kirschey dennoch unzufrieden. Es sei ein Irrglaube, damit ließe sich ein ökologisches Gleichgewicht herstellen, sagt der Naturschützer. Letztlich würde sich die Natur und die darin lebenden Tierarten selbst mit den neuen Gegebenheiten arrangieren. Die Jagd könne sogar kontraproduktiv sein, mahnt Kirschey. Denn sie zerstöre ein natürliches Territorialverhalten, welches langfristig ohnehin die Population begrenzen würde. „Die Bestände einer Art laufen nicht aus dem Ruder, wenn wir eine natürliche Populationsentwicklung zulassen“, sagt Kirschey.

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