Glück als Erfolgsfaktor im Geschäft – So nutzen Sie es

Glück spielt eine größere Rolle für den Erfolg als mancher Unternehmenslenker wahrhaben möchte. Aber man braucht umfangreiche Kenntnisse und Fähigkeiten, um es bestmöglich zu nutzen.

„Ich glaube sehr an Glück“, schrieb Thomas Jefferson. „Und ich habe die Erfahrung gemacht: Je fleißiger ich arbeite, desto mehr Glück habe ich.“

Die meisten Unternehmenslenker und Manager werden sagen, nicht Glück, sondern harte Arbeit und Kompetenz seien der Schlüssel zum Erfolg. Glück ist etwas, das man unter Kontrolle bringen muss. „Ich denke, im Geschäftsleben ist jeder selbst für sein Glück verantwortlich“, sagt John Cridland, der Chef des britischen Arbeitgeberverbands CBI.

Allan Leighton, früher Chairman der britischen Post Royal Mail und Chef der britischen Supermarktkette Asda, macht in seinem Buch „On Leadership“ Dinge wie Kompetenz, Entschlossenheit, Intuition und harte Arbeit als zentrale Erfolgsfaktoren aus. Glück räumt er nur eine untergeordnete Rolle ein. Er zitiert den Elektronikhändler Julian Richter mit den Worten: „Glück bedeutet, Chancen ausnutzen.“

Die richtigen Leute, die richtigen Fähigkeiten = Erfolg?

Das passt zu unserer Sicht von Unternehmern und Managern. Sie stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Wenn sie etwas Sinnvolles tun, und wenn sie über die nötige Kompetenz und Entschlossenheit verfügen und dann noch das richtige Team um sich haben, stellt sich der gewünschte Erfolg automatisch ein. Diese Vorstellung lässt sich bis zum Philosophen Immanuel Kant zurückverfolgen, demzufolge Glück für den Erfolg kaum eine Rolle spielt. Erfolg hänge von der Moral und Willensstärke der Handelnden ab, und beides werde nicht von Glück beeinflusst.

Andere bezweifeln dies. Lange vor Kant sagte Aristoteles, dass unsere Fähigkeit, bestimmte Dinge zu tun, zum Teil vom Umfeld abhängt, zum Beispiel von der Familie und von der Bildung.

Jonathan Gosling vom Centre for Leadership Studies an der Universität Exeter sagt, dies treffe auch heute noch zu. Er verweist darauf, wie viele erfolgreiche Unternehmer aus Familien stammen, die eine Tragödie erlebt haben. „In jungen Jahren einen Elternteil zu verlieren, lässt sich wohl kaum als Glück bezeichnen, aber viele Unternehmer sagen, die Tatsache, dass sie dadurch früh auf sich gestellt waren, habe ihren späteren Erfolg begründet“, sagt Gosling.

„Glück spielt in allen möglichen Formen von Erfolg eine Rolle“, sagt Gosling. „Sich an der Spitze zu halten, erfordert sowohl Glück als auch Kompetenz.“ Aber wir verwechseln die beiden häufig.

Kompetenz ist nicht gleich Glück

Der Volkswirt Daniel Kahneman sagt, wir beschreiben häufig Menschen als fähig – und belohnen sie in der Geschäftswelt auch entsprechend – obwohl sie einfach nur Glück hatten. In seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“, sagt er, wir müssen lernen, Kompetenz besser von Glück zu unterscheiden, und anerkennen, welch große Rolle Glück im Berufs- und im Privatleben spielt.

Sollten wir also daran zweifeln, dass wir unser Glück selbst bestimmen können? Das meint zumindest Ed Smith, ein ehemaliger englischer Cricket-Profi, der viel über die Rolle von Glück im Sport geschrieben hat. „Da Glück per Definition etwas ist, das man nicht steuern kann, ist der Ausspruch ‚seines Glückes Schmied sein‘ ein Widerspruch in sich“, sagt Smith. „Wenn man es selbst schmiedet, lässt es sich kaum als ‚Glück‘ bezeichnen.“ Gemeint sein könne höchstens, dass jemand einen Glücksfall ausnutzt, aber das sei dann nicht mehr Glück, sagt Smith.

Dreimal Glück

R. Gopalakrishnan, der Chef von Tata Sons, sagt, ein Teil des Problems liege darin, dass wir Glück als einheitliches Phänomen betrachten. Dabei gebe es eigentlich drei Arten von Glück.

Die erste, das „verdiente Glück“, sei eine Folge von Vorbereitung und Flexibilität. Ein Sportler, der hart trainiert und es irgendwann ins Finale eines großen Sportwettbewerbs schafft, hat verdientes Glück.

Die zweite Form ist „unverdientes Glück“, das heißt reiner Zufall ohne eigenes Zutun. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein Sportler gewinnt, weil der Gegner verletzungsbedingt aufgeben muss.

Die dritte Variante ist laut Gopalakrishnan eine Mischform, die aus unerwarteten Ereignissen besteht, die jemand dank Training und Vorbereitung erkennt und nutzen kann. In dieser Kategorie gibt es bemerkenswerte Beispiele aus der Geschäftswelt, wo Unternehmen glückliche Umstände genutzt und zu einem Wettbewerbsvorteil gemacht haben.

Beharrlichkeit und Zufall im Widerspruch?

Cridland verweist auf die Entwicklung der selbstklebenden Post-it-Zettel. Smith spricht vom Ölfeld Ecofisk, das nahezu zufällig entdeckt wurde. Phillips Petroleum hatte die Hoffnung bereits aufgegeben und angeordnet, das Projekt einzustellen. Die Ingenieure vor Ort hatten trotzdem noch eine letzte Bohrung vorgenommen und stießen dabei auf Öl.

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