Burn-Out bei Kindern – So bringen Sie die Seele wieder ins Lot

Kinder sind heute viel leistungsbereiter und arbeiten disziplinierter als früher. Nicht unbedingt ein Nachteil.

Schließlich handelt es sich dabei nicht um von vornherein schlechte Eigenschaften. Im Gegenteil: Wahrscheinlich wünschte sich der ein oder andere von uns im Nachhinein, dass er während der Schulzeit etwas mehr Einsatz gezeigt hätte.

Kinder, KindergartenWissen kann schließlich auch Spaß machen und ist trotz allem immer noch einer der besten Garanten für eine sichere berufliche Zukunft. Doch mit 12 anstatt 13 Jahren bis zum Abitur, vollgestopften Lehrplänen und permanenten Horrormeldungen über die schlechte Situation am Arbeitsmarkt, setzen sich gerade Jugendliche, die kurz vor dem Abitur oder der Mittleren Reife stehen, beim Lernen für den Abschluss so immens unter Druck, dass sie permanent über ihre Leistungsgrenze hinaus gehen.

Kinder haben heute ein Zeitpensum wie ein Topmanager. Sie gehen zur Schule, machen Hausaufgaben und gehen hinterher vielleicht auch noch zur Nachhilfe. 12 bis 14 Stunden Arbeit am Tag sind da keine Seltenheit.

Und selbst nach dem Lernen gönnen viele Eltern ihren Kindern keine Verschnaufpause. Der Markt mit früher Sprachförderung wie etwa Mandarin oder Indisch boomt. Heute schickt man sein Kind nicht mehr zum Flötenunterricht, sondern zur musikalischen Früherziehung. Es wäre doch schließlich gelacht, wenn sich unter dem braunen Wuschelkopf oder hinter den blauen Schildkrötenaugen nicht der nächste Bankenchef oder Hitkomponist verstecken würde. Auf Bäume klettern kann er schließlich immer noch beim Motivationsausflug für Führungskräfte.

Noch bevor das Kind überhaupt auf der Welt ist, lassen sich Eltern von zahllosen Ratgebern erzählen, wie sie ihren Nachwuchs noch besser fördern und noch schneller an der Konkurrenz vorbei nach vorne bringen. Der Kindergarten um die Ecke reicht schon lange nicht mehr.

Wie es dem Kind damit geht, ist dabei eher nebensächlich. Man will doch schließlich nur das Beste! Für wen genau lässt sich oft nur schwer beantworten. Dabei brauchen Eltern bei der Kindererziehung eigentlich nichts weiter als ihre Intuition und ganz viel Liebe, mahnen Kinderpsychiater.

Natürlich darf man auch gerne den einen oder anderen Ratgeber in Erziehungsfragen zu Hilfe nehmen. Doch wie in den meisten Lebensdingen gilt auch hier die Regel: Nicht übertreiben. Lieber ein Buch weniger lesen und das Kind öfter auf dem Bolzplatz kicken lassen, als es dreimal in der Woche zum Training fürs allsonntägliche Turnier zu schicken. Das bringt nicht nur Spaß, sondern auch die Seele wieder ins Lot.

Trotzdem warnen Experten davor, die Schuld nur bei Eltern und Erziehern zu suchen: Vieles ist auch charakterabhängig. Besonders Mädchen neigen dazu, sich stark unter Leistungsdruck zu setzen. Sie tendieren zu einem viel größeren Perfektionsdrang als Jungen. Außerdem gehen Mädchen mit Stress ganz anders um als Jungs, bei denen sich dauerhafte Überlastung meistens in Aggressionen entlädt. Mädchen hingegen neigen eher dazu, Probleme in sich hineinzufressen, berichten Kinderpsychologen.

Eltern machen bei Erziehung von Jungen und Mädchen Unterschiede

Viele Kinder geben sich parallel vielleicht sogar noch selber dafür die Schuld, nicht noch mehr in noch kürzerer Zeit leisten zu können. Die Folgen können Übuermüdung‚ Appetitlosigkeit, chronische Bauchschmerzen oder Schlafstörungen sein. Eltern, die solche Symptome bei ihren Kindern länger als vier Wochen am Stück beobachten, sollten ihren Nachwuchs unbedingt darauf ansprechen.

Aber Vorsicht: Beginnen Sie Ihre Sätze nicht mit Worten wie „Du bist in letzter Zeit so …“. Gerade Pubertierende können das schnell als Vorwurf verstehen und ziehen sich nur immer weiter zurück in ihr Schneckenhaus. Versuchen Sie mit Ihren Worten lieber Ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen. Das macht es ihrem Gegenüber leichter, sich Ihnen gegenüber zu öffnen.

Sie sollten auch vor professioneller Hilfe keine Angst haben. Je früher man eine Depression oder Burn-out bei Kindern erkennt, desto besser kann man den Betroffenen helfen. Ist die Krankheit erst einmal weiter fortgeschritten, läuft man als Therapeut den Symptomen oft nur noch hinterher.
Eine Heilung wird dann immer schwieriger. Bei einer frühen Diagnose kann je nach Krankheitsbild oftmals sogar schon ein gemeinsamer Blick in den Terminkalender als Therapie ausreichen. Wie sieht der aus? Was kann man streichen? Lässt sich das anstrengende Hobby vielleicht besser durch einen ungezwungenen Spiele-Nachmittag bei Freunden ersetzen? Die meisten Lösungen sind einfacher als gedacht.

 

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